Kanzlei, Rechtsanwalt, Gießen
12.02.2014

Einen Monat länger leben – zu welchem Preis?

Am Wochenende hat sich die FAS mit diesem Thema befasst. Man erfährt, dass insbesondere im Bereich der Krebstherapie sehr teure Medikamente eingesetzt werden. Allein die Kosten für solche Medikamente betragen nicht selten 6000 Euro im Monat.

Lebensverlängerung ist oft nur relativ kurz

Die Wirkung dieser Medikamente sei jedoch begrenzt, manchmal nicht einmal quantifizierbar. Oft führen sie lediglich zu einer Lebensverlängerung von drei bis vier Monaten. Es ist sicher verständlich, dass ein schwer kranker Patient jede Chance nutzt, sein Leben zu verlängern, sei es aus Sicht eines Gesunden auch nur für eine verhältnismäßig kurze Zeit. Im Angesicht des Todes ist jeder Tag der Lebensverlängerung lang. Ob dann die vorstehend genannten Kosten der Medikamente gerechtfertigt sind, ist nur schwer, insbesondere, unter Abwägung ethischer Gesichtspunkte zu beantworten.

Nebenwirkungen sind enorm

Wichtig erscheinen in dem Zusammenhang jedoch zwei andere Aspekte. Zum einen sind diese Medikamente oft mit ganz erheblichen, den Patienten belastenden Nebenwirkungen verbunden. Häufig treten Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und stark juckender Hautausschlag auf. Die verlängerte Lebenszeit wird also nicht nur finanziell, sondern auch körperlich teuer erkauft. Hier muss der Patient nicht ethisch, sondern persönlich abwägen, ob er diese Belastungen in den letzten Tagen seines Lebens auf sich nehmen will.

Es gibt Alternativen

Zum anderen haben Untersuchungen ergeben, dass eine Lebensverlängerung um einen Zeitraum von drei bis vier Monaten auch auf andere, vor allem schonendere Art und Weise erreicht werden kann (vgl. Borasio, dtv, Über das Sterben, Seite 129). Patienten die im Sinne der Palliativmedizin  behandelt worden sind, haben eine entsprechend verlängerte Lebenszeit gehabt. Allerdings ist in diesen Fällen – im Gegensatz zur medikamentösen Behandlung – gleichzeitig die Lebensqualität der Betroffenen in ihrem letzten Lebensabschnitt sogar verbessert worden. Bei der Palliativmedizin handelt es sich um eine ganzheitliche Behandlung von Körper, Seele und sozialen Beziehungen (Familie, Freunde) durch ein Team von Ärzten, Pflegepersonal, Sozialarbeitern, Psychologen, Physiotherapeuten und Seelsorgern.

In einer Patientenverfügung Entscheidungen treffen

Welche Behandlung für den Einzelnen die richtige ist, muss jeder für sich entscheiden. Allerdings ist es sinnvoll, bereits heute darüber nachzudenken. Jeder hat die Möglichkeit eine Patientenverfügung zu errichten, in der er auch bereits heute eine verbindliche Entscheidung für den Fall treffen kann, dass er zum Behandlungszeitpunkt seine Einstellung dazu und seiner Erkrankung nicht mehr gegenüber seinen Ärzten äußern kann.


Joachim Mohr
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Erbrecht und Familienrecht, Mediator



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